Walraven: Unproblematisch, schnell und einfach abschotten

So gestalten Planer und Installateure Abstände bei Rohr- und Kabeldurchführungen sicher

walravenHaustechnische Installationen werden in der Regel auch durch brandabschnittsbildende Bauteile geführt. Die hierfür erforderlichen Durchdringungen sind brandschutztechnisch abzuschotten. Steigende Anforderungen an die technische Gebäudeausstattung (TGA) im Bereich Brandschutz erfordern dabei in Neubau und Sanierung höchste Aufmerksamkeit. Von der Planungs- über die Ausführungsphase bis hin zur Abnahme müssen unterschiedliche Gewerke wie Sanitär, Heizung, Klima, Lüftung oder Elektro „in Einklang“ gebracht werden. Der folgende Beitrag versucht, allen am Bau Beteiligten leicht nachvollziehbare Hinweise zu den einzuhaltenden Abständen beim Einbau von Rohr- und Kabelabschottungen im Bereich TGA zu geben.

Die verschiedenen Gewerke benötigen unterschiedliche Abschottungsmaßnahmen, mit dem größten Augenmerk auf die Abstimmung im Bereich der entstehenden Schnittstellen. Im Idealfall setzen sich Bauleiter, Fachbauleiter und Installateure schon in der Planungsphase gemeinsam an einen Tisch, um die fachgerechte Ausführung der Abschottungen zu besprechen (siehe Infopunkt „Bauleiter § 56 Musterbauordnung (MBO)“). Hier sollte vor allem der Einbau der festgelegten Rohre und Kabel nach Verwendbarkeitsnachweisen im Vordergrund stehen.

Schnell wird erkannt, dass in den meisten Fällen nicht die Schottung, sondern mangelnder Platz in Durchführungen das größte Problem ist. Um Lösungen zu finden, hilft es, gemeinsam zu klären:

  • Welche Produkte (Material, Güte, Dimensionen, etc.) werden verwendet?
  • Liegen gültige Verwendbarkeitsnachweise (s. Infopunkt „Verwendbarkeitsnachweis“) vor?
  • Welche Möglichkeiten der „Abstandsminimierung“ gibt es oder müssen angewandt werden?

Erste Alternative: DiBT-Vorgaben

Das DiBT (Newsletter 5/2013) regelt klar Abstände zwischen Rohr- und Kabel-abschottungen:

1. Abstand zwischen Öffnungen, die mit speziellen brandschutztechnisch nachgewiesenen Materialien verschlossen sind/werden

Abbildung: Abstand-1-Speziell, DIBt-Newsletter 5/2013
Abbildung: Abstand-1-Speziell, DIBt-Newsletter 5/2013

2. Abstand zwischen Öffnungen, die mit Mörtel verschlossen sind/werden („Wiederherstellung“ der Wand bzw. Decke)

Abbildung: Abstand-2-Mörtel, DIBt-Newsletter 5/2013
Abbildung: Abstand-2-Mörtel, DIBt-Newsletter 5/2013

3. Abstand bei öffnungsüberdeckenden Abschottungen/Einbauten

Abbildung: Abstand-3-Manschette, DIBt-Newsletter 5/2013
Abbildung: Abstand-3-Manschette, DIBt-Newsletter 5/2013

Die im Einzelfall einzuhaltenden Abstände zu benachbarten Öffnungen oder Einbauten inklusive Abschottungen sind in den Zulassungsbescheiden im Abschnitt 3.1 „Bauteile“ meist in Tabellenform festgelegt. Zum Beispiel (Tabelle 1):
Tabelle 1_RGB

Hieraus ergeben sich die Abstandsmöglichkeiten > 20 Zentimeter oder > zehn Zentimeter.

Zweite Alternative: MLAR/LAR-Erleichterungen

Neben den DiBT-Vorschriften bestehen die Abstandmöglichkeiten nach der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR/LAR) 4.3 „Erleichterungen für einzelne Leitungen“. Sie lauten für

  • nicht brennbare Rohre ≤ 160 mm Durchmesser: Abstand ein Mal Außendurchmesser (max. 160 mm)
  • brennbare Rohre ≤ 32 mm Durchmesser: Abstand fünf Mal Außendurchmesser (max. 160 mm)
  • Kabel ohne Durchmesserbegrenzung: Abstand ein Mal Außendurchmesser

Maßgeblich ist immer der größte Wert.

Beispiel: Ein SML-Entwässerungsrohr DN 100 mit 110 Millimeter Außendurchmesser und ein Mehrschichtverbundrohr mit 32 Millimeter Außendurchmesser.
Frage: Welcher Abstand ist einzuhalten: 110, 32 oder 160 Millimeter?
Lösung: 160 Millimeter, da fünf Mal der Außendurchmesser des brennbaren Rohres größer ist als ein Mal der Außendurchmesser des nicht brennbaren Rohres.

Bildunterschrift: Eine Lösung nach MLAR/LAR 4.3. Foto: Walraven
Bildunterschrift: Eine Lösung nach MLAR/LAR 4.3. Foto: Walraven

Der Weg zum richtigen Abstand

Zu Beginn legen die beteiligten Unternehmen die entsprechenden Werkstoffe der einzelnen Gewerke fest. Jetzt kann die „heiße Phase“ der Planung beginnen. Die Verwendbarkeitsnachweise der genutzten Produkte zu kennen ist gerade in dieser Situation unumgänglich und sollte mehr als nur die Überschrift und das Gültigkeitsdatum umfassen. Das betont auch die Musterbauordnung (siehe Infopunkt „Unternehmer § 55 Musterbauordnung (MBO)“)

Die Verwendbarkeitsnachweise bieten deutlich mehr Informationen, in ihnen sind Einbauvorschriften und Abstände zu finden (Beispiel Tabelle 2).

Bildunterschrift: Akuter Platzmangel, Foto: Walraven
Bildunterschrift: Akuter Platzmangel, Foto: Walraven

Ist es aus Platzgründen nicht möglich, die geforderten Abstände einzuhalten, muss vor einem Einbau unbedingt die Abweichung mit dem Inhaber des Verwendbarkeitsnachweises geklärt werden. Nur er kann beurteilen, ob es sich hier um eine nicht wesentliche oder eine wesentliche Abweichung vom Verwendbarkeitsnachweis handelt.

  • Eine nicht wesentliche Abweichung sollte vor einem Einbau mit dem abnehmenden Bauleiter (Fachbauleiter) besprochen werden. So können vorausschauend eventuelle Schwierigkeiten bei der Abnahme vermieden werden.
  • Eine wesentliche Abweichung hat zur Folge, dass eine Zulassung im Einzelfall bei der obersten Baubehörde beantragt werden muss.

Mittlerweile sind Produkte verfügbar, deren Verwendbarkeitsnachweise Abstände von null Millimeter zwischen einzelnen Abschottungen sowie zwischen Abschottung und Bauteillaibung („Nullabstand“) aufweisen. Wie zum Beispiel mit der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (abZ) Z-19.17-2131. Hier sind die Abstände zwischen Versorgung, Entsorgung und Heizung mit den in Tabelle 2 erlaubten Rohrkombinationen „auf null zusammengeschrumpft“:

Bildtext: Entsorgung, Heizungsvorlauf, -rücklauf, Kalt-, Warmwasser, Zirkulation (v. l.), Abbildung: Walraven
Bildtext: Entsorgung, Heizungsvorlauf, -rücklauf, Kalt-, Warmwasser, Zirkulation (v. l.), Abbildung: Walraven

Tabelle 2:
Tabelle 2_RGB

Trotz allem, oder gerade deswegen, ist „der“ Nullabstand eine besondere Situation, die erhöhte Aufmerksamkeit verlangt. Sind einzelne Leitungen im Nullabstand zueinander verlegt, ist darauf zu achten, dass ein hohlraumfreier Verguss mit formbeständigen, nicht brennbaren Baustoffen gemäß DIN 4102-A, wie zum Beispiel Beton oder Zementmörtel, möglich ist. Deshalb ist es mit Sicherheit einfacher, schon in der Planungsphase, darauf zu achten, dass Abstände eingehalten werden. Im Nachhinein zu berichtigen oder abzuweichen ist immer sehr viel schwieriger – wenn es überhaupt ohne Umbaumaßnahmen möglich ist.

Es sind die Kleinigkeiten, die das „Brandschutzleben“ einfacher machen. Trotz der Möglichkeit des Nullabstandes zwei bis drei Zentimeter Platz zwischen einzelnen Leitungen zu lassen, vereinfacht es mit Sicherheit, einen hohlraumfreien Verguss herzustellen. Nachbesserungen auf der Baustelle sind generell kostenintensiv, zeitraubend und fördern nicht die Qualität.

Dabei sollte nicht vergessen werden:

Über allen Gedanken um Abstände steht als oberstes Gebot die Schutzzielbetrachtung nach § 14 MBO:

„Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und in Stand zu halten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind.“

Infopunkt „Verwendbarkeitsnachweis“:

Als Verwendbarkeitsnachweise nennen die Bauordnungen der Länder für nicht geregelte Bauprodukte:

  • die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ)
  • das allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis (abP)
  • die Zustimmung im Einzelfall (ZiE)

Infopunkt „Bauleiter § 56 Musterbauordnung (MBO)“

(1) Der Bauleiter hat darüber zu wachen, dass die Baumaßnahme entsprechend den öffentlich-rechtlichen Anforderungen durchgeführt wird und die dafür erforderlichen Weisungen zu erteilen. Er hat im Rahmen dieser Aufgabe auf den sicheren bautechnischen Betrieb der Baustelle, insbesondere auf das gefahrlose Ineinandergreifen der Arbeiten der Unternehmer zu achten. Die Verantwortlichkeit der Unternehmer bleibt unberührt.

(2) Der Bauleiter muss über die für seine Aufgabe erforderliche Sachkunde und Erfahrung verfügen. Verfügt er auf einzelnen Teilgebieten nicht über die erforderliche Sachkunde, so sind geeignete Fachbauleiter heranzuziehen. Diese treten insoweit an die Stelle des Bauleiters. Der Bauleiter hat die Tätigkeit der Fachbauleiter und seine Tätigkeit aufeinander abzustimmen.

Infopunkt „Unternehmer § 55 Musterbauordnung (MBO)“

(1) Jeder Unternehmer ist für die mit den öffentlich-rechtlichen Anforderungen übereinstimmende Ausführung der von ihm übernommenen Arbeiten und insoweit für die ordnungsgemäße Einrichtung und den sicheren Betrieb der Baustelle verantwortlich. Er hat die erforderlichen Nachweise über die Verwendbarkeit der verwendeten Bauprodukte und Bauarten zu erbringen und auf der Baustelle bereitzuhalten.

(2) Jeder Unternehmer hat auf Verlangen der Bauaufsichtsbehörde für Arbeiten, bei denen die Sicherheit der Anlage in außergewöhnlichem Maße von der besonderen Sachkenntnis und Erfahrung des Unternehmers oder von einer Ausstattung des Unternehmens mit besonderen Vorrichtungen abhängt, nachzuweisen, dass er für diese Arbeiten geeignet ist und über die erforderlichen

Autor: Karl-Heinz Ullrich, Sachverständiger für gebäudetechnischen Brandschutz (EIPOS) Walraven GmbH