Uponor: Geschäftsbericht 2016

Konzernumbau sorgt 2016 für Ergebnisverbesserung in Europa

  • Die durch den Konzernumbau und frühere Kostensenkungsprogramme erzielten Einsparungen haben 2016 im Geschäftsbereich Building Solutions – Europe sowie bei Uponor Infra zur Verbesserung des vergleichbaren operativen Ergebnisses beigetragen; das Nordamerika-Geschäft entwickelte sich dynamisch, blieb aber leicht hinter dem Vorjahr zurück
  • Anstieg des Nettoumsatzes für den Zeitraum Oktober bis Dezember auf 268,9 Mio. EUR (2015: 262,0 Mio. EUR); vergleichbares operatives Ergebnis liegt bei 16,1 Mio. EUR (Vj. 16,5 Mio. EUR)
  • Anstieg des Nettoumsatzes zwischen Januar und Dezember um 4,6 % auf 1.099,4 Mio. EUR (Vj. 1.050,8 Mio. EUR); organisches Wachstum erreicht 2,0 %
  • Operatives Ergebnis für Januar bis Dezember geht um 0,7 % auf 71,0 Mio. EUR zurück (Vj. 71,4 Mio. EUR)
  • Vergleichbares operatives Ergebnis steigt um 19,7 % auf 90,7 Mio. EUR (Vj. 75,8 Mio.)
  • Gewinn pro Aktie beläuft sich auf 0,58 EUR (Vj. 0,51 EUR)
  • Ausblick für 2017: Nettoumsatz und vergleichbares operatives Ergebnis legen voraussichtlich weiter zu
  • Vorstand schlägt Dividende von 0,46 EUR je Aktie vor (Vj. 0,44 EUR je Aktie)

President & CEO Jyri Luomakoski über die Entwicklungen im Berichtszeitraum:

  • Der Geschäftsbereich Building Solutions – Europe hat gute Fortschritte bei seiner Umstrukturierung erzielt. Das Segment hat sich neu positioniert und eine tragfähige, schlanke Management-Struktur in räumlicher Nähe zu den Wachstumsmärkten aufgebaut. In Verbindung mit einem Netz aus effizienten Fertigungsstandorten hat das Segment damit die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, um von dem erwarteten Aufschwung im europäischen Baugewerbe zu profitieren.
  • Der Geschäftsbereich Building Solutions – North America hat sich auch im abgelaufenen Jahr dynamisch entwickelt, wobei das operative Ergebnis nicht so hoch ausfiel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Aussichten für das Nordamerikageschäft sind jedoch weiterhin gut.
  • Das vergleichbare Ergebnis von Uponor Infra entwickelte sich 2016 erfreulich, was belegt, dass die Umstrukturierung und die Kostensenkungsprogramme aus früheren Jahren Früchte tragen. Der Umbau schreitet inzwischen zügig voran, und das Team wird sich darauf konzentrieren, den Verkauf der Mehrwertlösungen von Uponor anzukurbeln und den Nettoumsatz zu steigern.
  • In unserer beinahe 100-jährigen Geschichte standen Erneuerung und Innovation stets im Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns. Und so haben wir 2016 erstmals mehr als 20 Mio. EUR für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Das Wachstum wurde von der Digitalisierung im Geschäftsfeld Versorgungstechnik angetrieben. Dazu gehören das neue Joint-Venture Phyn, das intelligente Wasserversorgungslösungen baut, sowie unsere Tochtergesellschaft UWater, die Online-Messlösungen entwickelt. Bei beiden Unternehmen laufen die Feldtests planmäßig.

Jahresabschluss der Uponor Corporation für den Zeitraum Januar bis Dezember 2016

Konjunkturentwicklung
Insgesamt hat die europäische Baukonjunktur im Jahresverlauf Fahrt aufgenommen – allerdings von einem niedrigen Ausgangsniveau. In Nordamerika entwickelte sich die Branchenkonjunktur im Großen und Ganzen dynamisch. Anders als in den vergangenen Jahren legte das Ergebnis 2016 jedoch nicht noch einmal kräftig zu.

In Deutschland profitierte Uponor auch im abgelaufenen Jahr vom konsumgetriebenen Wirtschaftswachstum. Durch die gute Beschäftigungssituation und die niedrigen Zinsen hat die Nachfrage nach Wohnungen angezogen. Infolgedessen ist die Zahl der Bauvorhaben gestiegen und verschiedene Indizes für die Stimmung im Baugewerbe haben ein Allzeithoch erreicht. Allerdings zeigte der wesentlich größere Markt für die Sanierung von Bestandswohnungen eine geringe Dynamik. Der Gewerbe- und Bürobau entwickelte sich robust. In einigen Fällen führten jedoch externe politische und wirtschaftliche Unwägbarkeiten dazu, dass die Unternehmen neue Bauvorhaben verschoben haben. In den Niederlanden wuchs die Baubranche, wenn auch langsamer als zuvor.

In Frankreich und Spanien verzeichnete das Baugewerbe ausgehend von einem relativ geringen Niveau einen leichten Aufschwung, während sich der Markt in Italien im Berichtsjahr erneut nur sehr verhalten entwickelte. In Großbritannien zeigten sich sowohl der Wohnungsbau als auch der Büro- und Gewerbebau unbeeindruckt vom Ausgang des Brexit-Referendums.

In Skandinavien beschleunigte sich die Baukonjunktur. So verzeichnete Schweden einen anhaltenden Boom im Wohnungsbau, der dazu führte, dass so viele Wohnungsbauvorhaben in Angriff genommen wurden wie seit Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr. Nachdem sich die Baukonjunktur in Finnland in den letzten Jahren merklich abgekühlt hatte, ziehen die Investitionen in Wohnungen, Büros und Gewerbebauten seit 2015 wieder an. In Norwegen erreichte das Volumen im Gewerbe- und Bürobau erneut das Vorjahresniveau, während der Wohnungsbau ein kleines Plus verzeichnen konnte. In Dänemark stagnierte die Baukonjunktur dagegen.

In Osteuropa führte die anhaltende Unsicherheit dazu, dass sich die Investoren sowohl im Wohnungsbau als auch im Gewerbe- und Bürobau zurückhielten. Die Länder Mittel- und Osteuropas wie die Tschechische Republik, Ungarn und Polen verzeichneten höhere Investitionen im Wohnungsbau. Diesen standen jedoch rückläufige Investitionen im Gewerbe- und Bürobau gegenüber. In den Ländern des Baltikums stagnierten die Bauinvestitionen.

In Nordamerika zeigte sich die Konjunktur sowohl bei Wohnimmobilien als auch bei Gewerbe- und Bürogebäuden weitgehend robust. Allerdings blieben 2016 die deutlichen Gewinnsprünge aus, die bisher seit Beginn des Konjunkturaufschwungs von Jahr zu Jahr zu verzeichnen waren. Zwar nähert sich die Bereitschaft zur Investition in eine privat genutzte Immobilie einem Allzeithoch und die Stimmung bei den Verbrauchern ist nach wie vor gut, doch wahrscheinlich wurde die Konjunktur durch höhere Zinsen und in einigen Bereichen durch eine ungünstige Beschäftigungsentwicklung gebremst. In der zweiten Jahreshälfte zeigten die wichtigsten Indikatoren für die Entwicklung der Baukonjunktur eine ausgeprägte Volatilität, die eventuell die Einkaufsentscheidungen im Handel beeinflusst hat. In Kanada entwickelte sich der Markt für Wohnimmobilien im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig.

In Bezug auf die Infrastrukturlösungen von Uponor blieb die Nachfrage in Skandinavien insgesamt stabil, wobei sie in Schweden und Norwegen leicht anzog. In Polen und anderen mitteleuropäischen Ländern entwickelte sich der Markt auch 2016 verhalten; gleichzeitig gingen die Investitionen in den baltischen Ländern deutlich zurück. In Kanada bremsten die niedrigen Energiepreise weitere Investitionen in die Ölindustrie. Dies belastet auch andere Segmente des Markts für Infrastrukturlösungen.

Kurzfristige Aussichten
Insgesamt bleiben die Aussichten für die Kerngeschäftsbereiche und die wichtigsten Märkte von Uponor relativ stabil oder sind sogar positiv. Sollten sich die Märkte und das Geschäftsumfeld jedoch ungünstig entwickeln und bestimmte Risiken eintreten, könnte dies die weitere Geschäftsentwicklung negativ beeinflussen.

Nach der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise, die inzwischen beinahe zehn Jahre zurückliegt, stagnierten große Teile der europäischen Bauindustrie jahrelang. Erst vor sehr kurzer Zeit hat in der Branche ein Aufschwung eingesetzt, der diese Bezeichnung auch verdient. Nachdem sich in der zweiten Jahreshälfte 2016 die Anzeichen für einen Konjunkturaufschwung in Europa mehrten, dürfte die allmähliche Erholung in der europäischen Baubranche 2017 anhalten. Diese Prognose wird durch die Tatsache gestützt, dass in den meisten europäischen Ländern mehr Baugenehmigungen erteilt werden. Gleichzeitig verzeichnen Länder wie Deutschland, die Niederlande und Frankreich sowie einige skandinavische Länder einen positiven Markttrend. Es dürfte sich also um einen Konjunkturaufschwung auf breiter Front handeln, der durch das steigende Vertrauen der Verbraucher, günstige Kreditkonditionen, die Einwanderung und einen längeren Nachfragestau gestützt wird. Hinzu kommt, dass die Regierungen mehrerer Länder verstärkt Infrastrukturprojekte in ihre kurzfristigen Investitionspläne aufnehmen, was den Aufschwung weiter befeuern sollte.

Die Volkswirtschaften Nordamerikas sind nach wie vor auf Wachstumskurs, auch wenn sich die Konjunktur möglicherweise bald abkühlen wird. Dieser Trend zeichnete sich bereits Ende 2016 ab, als das Wachstum bei den begonnenen Bauvorhaben in den USA zeitweise zurückging, obwohl einige wichtige Indikatoren wie das Zinsniveau, die Zahl der nicht verkauften Bestandsimmobilien und das Beschäftigungswachstum im Baugewerbe nach wie vor auf Wachstum hindeuteten. Ferner hat die neue US-Regierung Maßnahmen zur Förderung von Investitionen in die Infrastruktur und Produktionsanlagen in Aussicht gestellt. Sollte es dazu kommen, könnten davon langfristig weitere Impulse für die konjunkturelle Entwicklung ausgehen.

Die oben beschriebenen Marktszenarien sind durchaus risikobehaftet, auch wenn diese Risiken voraussichtlich nicht eintreten werden. 2017 werden in mehreren großen europäischen Ländern Wahlen abgehalten, die Überraschungen bergen könnten. In diesem Zusammenhang besteht die Möglichkeit, dass einige kritische Themen wieder auf die Tagesordnung kommen: die weitere Umsetzung und die Auswirkungen des britischen Referendums über den EU-Austritt, die Staatsschuldenkrise in der EU sowie politische Probleme in der EU, insbesondere in Osteuropa, und eventuell auch auf internationaler Ebene. Diese Fragen und Themen könnten die wirtschaftliche Entwicklung in Europa, Nordamerika und anderen Märkten, auf denen Uponor tätig ist, in unerwarteter Art und Weise beeinflussen.

Uponor hat umfangreiche Investitionen in seine personellen und finanziellen Kapazitäten getätigt, um das Unternehmen zu stärken. Im Herbst 2015 kündigte Uponor einen umfassenden Umbau seiner europäischen Konzerngesellschaften an, darunter Building Solutions – Europe und Uponor Infra. Beide Programme wurden konsequent umgesetzt, so dass die meisten der geplanten Maßnahmen bis Ende 2016 realisiert werden konnten und größtenteils die angestrebten Ergebnisse geliefert haben. Unsere Strukturen sind jetzt schlanker, unsere Entscheidungsprozesse flexibler und unsere Leistungsfähigkeit größer. Beide Segmente verfügen nun über einen Verbund aus technisch modernen Fertigungsstandorten, die regional gut verteilt sind.

Unter der Annahme, dass die Konjunktur in den wichtigsten Märkten von Uponor ohne größere Einbrüche verläuft, gibt das Unternehmen folgende Prognose für das Gesamtjahr 2017 ab: Die Nettoumsatzerlöse und das vergleichbare operative Ergebnis dürften im Vergleich zu 2016 steigen.

Die Investitionsaufwendungen (ohne Beteiligungsinvestitionen) werden sich voraussichtlich auf 50 bis 60 Mio. EUR belaufen. Das Unternehmen wird seine Zahlungsmittel für die Entwicklung neuer Produkte und Lösungen einsetzen. Dazu zählen unter anderem strategisch wichtige Hygienelösungen sowie der Ausbau des Asien-Geschäfts.

Das Ergebnis und die finanzielle Leistungsfähigkeit von Uponor unterliegen verschiedenen strategischen, operativen, finanziellen, rechtlichen, politischen und zufallsbedingten Risiken. Eine detaillierte Risikoanalyse ist dem Abschnitt Risiken für den Geschäftsverlauf des Geschäftsberichts 2016 zu entnehmen.

Quelle: www.uponor.com