Rehau Rasenheizungen – damit der Fußball (fast) immer rollt

rehau logoInterview mit Thorsten Wiggenhagen  – Businessteamleiter Flächenheizung/ -kühlung bei REHAU

Herr Wiggenhagen, wie wird man Experte für Rasenheizungen?
Wie das Leben manchmal so spielt, wurde ich mehr oder weniger zufällig mit dieser Aufgabe betraut. Ein bisschen Fußballbegeisterung schadet natürlich nicht. Oder besser gesagt: Das Fußballfieber packt einen, wenn man regelmäßig auf dem Rasen steht. Ich weiß, wovon ich rede.

Thorsten Wiggenhagen, Businessteamleiter im Bereich Flächenheizung/-kühlung bei REHAU. (Foto: REHAU)
Thorsten Wiggenhagen, Businessteamleiter im Bereich Flächenheizung/-kühlung bei REHAU. (Foto: REHAU)

Was macht einen meisterhaften Rasen aus?
Fußballrasen jederzeit in einem optimalen Zustand zu halten, ist wirklich eine nicht ganz leichte und auch zeitintensive Angelegenheit. Das fängt schon beim Einbau des Rasens an. Der Bodenaufbau muss exakt erfolgen, die Maschinen arbeiten lasergesteuert und die Bodengutachten sind sehr genau. Bei einer EM oder WM wird der Rasen besonders intensiv geprüft und eventuell sogar kurz vor Anpfiff noch einmal getauscht, um wirklich optimale Bedingungen zu garantieren.

Der Deutsche Fußballbund (DFB) hat den Einbau einer Rasenheizung in Stadien der ersten und zweiten Bundesliga bereits vor einigen Jahren zum Standard erklärt. Ziehen unsere europäischen Nachbarn nach?
Absolut. Vor allem in Österreich, Polen und Tschechien sind viele unserer Systeme im Einsatz. Aber auch in anderen Ländern, wie etwa in der Türkei oder den USA werden mehr und mehr Stadien mit unseren Systemlösungen ausgestattet.

Also jedem Rasen seine Heizung?
Nun, gerade im hochklassigen Fußballsport verursacht ein witterungsbedingter Spielausfall enorme Kosten. Schnee und Eis machen das Bespielen des Rasens schnell unmöglich. Dieses Risiko gilt es auszuschließen: Eine Rasenheizung sorgt im Winter dafür, dass der Rasen wächst und die Rasenwurzel nicht in den „Winterschlaf“ fällt. Mit einem ausgefeilten Regelungskonzept verhindern wir, dass der Rasen überhitzt wird. Deshalb verbauen wir spezielle Messfelder mit Temperaturfühlern. Eine witterungsabhängige Regelungsanlage steuert die Anlage und hält die Oberflächentemperatur des Rasens bei maximal 2°C. In exakt verlegten Rohren zirkulieren hierfür rund 15.000 Liter Glykol-Wassergemisch. Es ist ein in sich geschlossenes System, in dem das Glykol als Frostschutzmittel fungiert. So kann man die Heizung beispielsweise in der Weihnachtspause auch komplett abschalten, ohne dass die Rohre durch die Kälte auffrieren.

Das erfolgreiche Team Business Unit Flächenheizung: Angela Rolf, seit 1993 bei REHAU, Rasenheizungslogistik; Thomas Beck, seit 2000 bei REHAU, Planung und Technik; Thorsten Wiggenhagen seit 1998 bei REHAU, Businessteamleiter in der Corporate Business Unit Flächenheizung / -kühlung. (Foto: REHAU)
Das erfolgreiche Team Business Unit Flächenheizung: Angela Rolf, seit 1993 bei REHAU, Rasenheizungslogistik; Thomas Beck, seit 2000 bei REHAU, Planung und Technik; Thorsten Wiggenhagen seit 1998 bei REHAU, Businessteamleiter in der Corporate Business Unit Flächenheizung / -kühlung. (Foto: REHAU)

Sie und Ihr Team stoßen bei den Projekten auf verschiedene klimatische Bedingungen. Unterscheiden sich die Heizungssysteme?
Die Vorstellung der Vereine ist eigentlich immer die gleiche: Optimale Spielbedingungen bei egal welcher Außentemperatur. Der Naturrasen macht uns hier aber einen Strich durch die Rechnung, da seine Rasenwurzeln bei zu hohen Temperaturen im Boden absterben. In der Türkei verwenden wir daher ein anderes System als in Moskau – temperaturbedingt. Weil die Rasenheizungen in der Türkei nur sehr selten und mit viel niedrigeren Vorlauftemperaturen zum Einsatz kommen, konnten wir beispielsweise im Seyrantepe Galatasary Stadion in Istanbul einen unisolierten Verteiler einsetzen. In kälteren Klimazonen wäre dies jedoch eine totale Energieverschwendung.

Apropos Naturrasen: Bei der Wahl von Natur- und Kunstrasen gibt es ja die unterschiedlichsten Theorien.
Das stimmt! Als ehemaliger Rugbyspieler bin ich persönlich kein Fan von Kunstrasen – und ich glaube, auch optisch ist der Unterschied sehr gut zu erkennen. Allerdings machen Kunstrasentrainingsplätze natürlich besonders in der Winterzeit Sinn. Sie sind schlicht „wetterfester“ und auch pflegeleichter. Ob es sich um eine Naturrasen- oder Kunstrasenheizung handelt, ist für uns aber sehr wichtig: Unsere Systeme unterscheiden sich in der Rohrdimension. Die Spiele der EM in Polen und der Ukraine werden übrigens komplett auf Naturrasen ausgetragen. Nach dem Verlegen des Rasens braucht es rund einen Monat bis die Pflegemaßnahmen in Form von Düngung, Wässern, Aerifizieren etc. abgeschlossen sind und die Rasengräser im Boden Wurzeln geschlagen haben. Dann ist der Rasen bespielbar.

Kann man das System auch nutzen, um den Rasen im Sommer zu kühlen?
Das ist ein sehr spannendes und auch sehr komplexes Thema, über das ich jetzt noch nicht zu viel verraten möchte. Derzeit gibt es noch keine gekühlten Rasen. Die REHAU Rasenheizung ist also „nur“ bei Eis und Schnee der zwölfte Mann auf dem Platz. Aber: Wir arbeiten daran!

Welche Kosten provoziert der Einbau einer Rasenheizung?
Die Rasenheizung steht natürlich nur für einen Teil der gesamten Baumaßnahmen und -kosten. Eine hohe Investitionssumme muss für Rasen und Erdarbeiten aufgewandt werden. Alles in allem kommt so ein kompletter Um- und Einbau auf rund 700.000 Euro. Setzt man aber die Kosten eines witterungsbedingten Spielausfalls in der 1. Deutschen Fußball-Bundeliga zu dieser Summe ins Verhältnis, hat sich eine Rasenheizung sehr schnell bezahlt gemacht.

Hand auf’s Fußballerherz: Unterscheiden sich Bauprojekte für Europa- oder Weltmeisterschaften emotional von anderen?
Großprojekte wie Europa- und Weltmeisterschaften sind natürlich besonders spannend. Man kennt die Stadien, die Ansprechpartner – das macht schon auch stolz, klar. Und wenn in der Ukraine und in Polen die Spiele der EM angepfiffen werden, kann das internationale REHAU Team sagen: Wir haben unseren Beitrag dazu geleistet. Aber ich habe zwei „Lieblingsprojekte“, die in Deutschland realisiert wurden: einmal die Allianz Arena in München und das Olympiastadion in Berlin. Das Projekt Allianz Arena war extrem umfangreich, eine echte Herausforderung; aber für uns auch sehr erfolgreich. Der Einbau der Rasenheizung erfolgte im Jahr 2005, pünktlich zu den Vorbereitungen der WM im darauf folgenden Jahr. Das Olympiastadion in Berlin als Austragungsort des WM-Finalspiels 2006 ist natürlich auch eine tolle Referenz für uns. Das Stadion wurde im laufenden Spielbetrieb renoviert und für den Einbau der Rasenheizung gab es nur ein sehr knappes Zeitfenster. Da mussten wir unsere Rohre auf die Minute genau anliefern. Aber wir mögen Herausforderungen. Und die Zusammenarbeit mit unseren internationalen Teams ist immer wieder großartig.

Wie es im Fußball so schön heißt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Wie geht es weiter?
Es bleibt spannend! Wir bearbeiten mit unseren Kollegen in Frankreich bereits Projekte für die Europameisterschaft 2016.

Vielen Dank für das Interview!

 Quelle: www.rehau.de/sport