KRV: 50 Jahre erfolgreiches Wirken für die Kunststoffrohr-Industrie

 

Der 21. September 1957 war die Geburtsstunde des Kunststoffrohr-Vereins – wie er bei der Taufe in Düsseldorf von seinen sieben Paten genannt wurde. Den Namen Kunststoffrohrverband erhielt er erst 1981 – zusammen mit der Bezeichnung „Fachverband der Kunststoffrohr-Industrie“, nachdem schon 1964 die Geschäftsstelle ihren Sitz nach Bonn verlegt hatte. Die Gründungsväter erkannten frühzeitig die Bedeutung und Marktchancen der neuen Produkt- und Werkstoffgruppe und die Notwendigkeit, technische Grundlagen und Entwicklungen mit einer soliden Qualitätssicherung zu verbinden.

Aller Anfang ist schwer – aber was 1957 mit wenigen Tausend Tonnen, ein paar Produkten und hauptsächlich zwei Kunststoffen begann, entwickelte schon bald eine gewaltige Dynamik: Zehn Jahre später meldete das Statistische Bundesamt bereits 100.000 t, und der jüngste Ge-schäftsbericht des KRV weist für 2006 eine Produktionsmenge von 665.000 t aus, eine Steige-rung von 11,8% gegenüber 2005. Inzwischen gibt es kaum Anwendungsbereiche, in denen Kunststoffrohre nicht mit häufig dominierenden Marktanteilen vertreten sind: So liegt z.B. im Bereich der Gasversorgung der Kunststoffrohranteil an neuverlegten Leitungen im Mitteldruck-netz bei nahezu 100%, im Niederdrucknetz bei 85%. Herausragende Positionen verzeichnen Kunststoffrohre mit annähernd 100% auch bei Kabelschutzrohren, mit 90% in der Grundstücks-entwässerung und mit über 60% in Trinkwasserverteilungsnetzen. Und die zahlreichen Mitglie-der im Anwendungsbereich Haustechnik freuen sich über den dominierenden Marktanteil der Heizungsrohre und über jährlich 70 Mio. Meter Kunststoffrohre in der Trinkwasserhausinstallati-on. Anwendungsvielfalt, Wirtschaftlichkeit und Qualität der Kunststoffrohre waren Väter dieses Erfolges, der natürlich auch einen Verdrängungsprozess bisheriger Werkstoffe in Gang setzte.

Parallel zu dieser Entwicklung und der mit ihr verbundenen sich stetig anpassenden Erwar-tungshaltung der Mitgliedswerke veränderten sich auch Organisation und Aufgabenstellung des KRV. Stand zu Beginn die Gütesicherung der Rohre im Vordergrund, kamen nach und nach Gebiete wie Technik, Normung, Marktbeobachtung, Öffentlichkeitsarbeit und politische Interes-senvertretung hinzu. Der KRV ist heute zukunftweisend und modern ausgerichtet. Mit einer kundenorientierten Neuaufstellung ab 2003 wurden vor allem der Markt- und Produktbezug, die Anpassungsfähigkeit an wechselnde Aufgabenstellungen und eine verstärkte europäische Aus-richtung verbunden – kompatibel mit der Organisation unseres europäischen Dachverbandes TEPPFA.

Mit vier anwendungsbezogenen Fachgruppen und zwei zentralen Ausschüssen mit Quer-schnittsaufgaben sieht sich der Verband gut gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft. Dank seiner neuen Struktur werden im Verband nun auch die Interessen der Hersteller von Rohrsystemen im Bereich der Haustechnik besser abgebildet. Im November 2005 kam zudem die Infrastruktur zu ihrem Recht: Der KRV wechselte sein Domizil in einer Gründerzeitvilla im Zentrums Bonns und bezog ein zeitgemäßes Bürogebäude gegenüber der Deutschen For-schungsgemeinschaft in Bad Godesberg. Moderne Sitzungseinrichtungen, EDV-Technik mit Client-Server-Architektur, Stammdatenbank und Extranet sind dort selbstverständlich.

50 Jahre sind nicht ohne Schwierigkeiten verlaufen; in Stichworten ausgedrückt heißt das: An-fangsphase, Ölkrise, Rohstoffknappheit, Niedergang der Bauwirtschaft, leere Kassen der öffent-lichen Hände, Folgen der Wiedervereinigung, Kämpfe gegen unlauteren Wettbewerb sowie nationale/europäische Herausforderungen und Formalismen. Der Verband und seine Mitglieder haben es gemeinsam geschafft, diese und andere Schwierigkeiten zu meistern.

Aus einer Reihe aktueller Anliegen sollen vier herausgegriffen werden:

  • Recycling. Der KRV hat sich auf europäischer Ebene dem so genannten Voluntary Com-mitment der europäischen PVC-Industrie angeschlossen und erfüllt in Zusammenarbeit mit einem zertifizierten Fachunternehmen die damit verbundene Auflage einer zunehmenden Wiederverwertung von Post-Consumer-Abfällen sowie eine Rückführung von Bleistabilisa-toren auf Alternativen, eine Forderung, die bereits weitgehend erfüllt ist.
  • CE-Zeichen. Dieses Zeichen ist kein Qualitätszeichen, wie es für Kunststoffrohre von DVGW und DIN CERTCO auf Grund umfassender Prüfkriterien und regelmäßiger Kontrol-len verliehen wird. Es ist lediglich ein Freihandelszeichen, das eine begrenzte Anzahl von Merkmalen zumeist in eigener Verantwortung des Herstellers deklariert. Dem Verband und seinen Mitgliedern ist es ein Anliegen, die Anwender auf den bedeutenden Unterschied zum Qualitätszeichen hinzuweisen.
  • Abbau von Handelshemmnissen. Die nationalen technischen Qualitätsanforderungen an Kunststoffrohrsysteme sind in den Ländern der EU weitestgehend identisch. Geringfügige Unterschiede jedoch machen Einzelzulassungen in den jeweiligen Ländern notwendig. Diese sind teuer, meist zeitaufwendig und bedürfen zudem einer ständigen Überwachung durch nationale Prüfeinrichtungen. Unsere Firmen sind einem regelrechten „Prüftourismus“ ausgesetzt, um ihre Erzeugnisse überall in der EU verkaufen zu können. Für eine weitere Liberalisierung der Märkte steht unser Ziel „Mutual Recognition“, die länderübergreifende Anerkennung von identischen technischen Zulassungsbedingungen und Überwachungs-verfahren. Ein Erfolg unserer fortgesetzten Bemühungen steht aber nach wie vor aus.
  • Sanierung. Seriöse Untersuchungen gehen davon aus, dass mindestens 20% des öffentli-chen Abwassernetzes von 500.000 Kilometern kurz- bzw. mittelfristig sanierungsbedürftig sind. Die Gesamtkosten hierfür werden auf 50 – 55 Mrd. € geschätzt. Im Rahmen einer mit anderen Verbänden getragenen „Initiative Kanalsanierung“ fordern wir, mehr für den Sub-stanzerhalt der Kanalisation aufzuwenden. Kunststoffrohrsysteme eignen sich besonders für Reparatur und Renovierung geschädigter Kanalnetze in grabenloser Verlegung, durch die vor allem auch indirekte Folgekosten vermieden werden können. Die bisherige Ausschreibungs- und Vergabepraxis muss zu Gunsten solcher moderner Verfahrensweisen entsprechend geändert werden.

Der KRV ist zahlenmäßig zwar nur ein kleiner Verband, aber einer von erheblicher Bedeutung. Zu seinen Mitgliedern zählen weltweit bedeutende Rohstoffhersteller und nahezu alle wichtigen Produzenten von Kunststoffrohren in Deutschland. Die Kunststoffrohr-Industrie ist heute ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor: Wir repräsentieren in Deutschland einen Umsatz von ca. 2 Mrd. € und vertreten 10.000 Direktbeschäftigte. Der Verband ist Dienstleister für seine Mit-glieder, Berater der Anwender und Fachwelt sowie Partner anderer Verbände und Organisatio-nen. Eine Welt ohne Kunststoffrohre stünde vor fast unlösbaren Problemen. Daher: Kunststoff-rohren gehört die Zukunft, und der KRV wird sie in diese Zukunft begleiten.

Kontakt: http://www.krv.de