Japans Solarbranche will wieder einen Gang zulegen

Vom weltweiten Boom der Photovoltaik wollen Japans Unternehmen profitieren. Daher wird die Produktion ausgebaut. Zudem kann Sonnenenergie einen wichtigen Beitrag leisten, die Klimaschutzziele zu unterstützen. Die Regierung arbeitet an entsprechenden Plänen zu deren stärkerer Nutzung in Japans Energiemix. Der Ausbau der Solarbranche bietet deutschen Anbietern von Ausrüstung und Komponenten sowie Einkäufern von Materialien neue Geschäftschancen.

Japan ist immer noch der größte Produzent von Solarzellen weltweit, hat jedoch in den letzten beiden Jahren an Marktanteilen verloren. In der Nutzung von Solarenergie liegt das Land der aufgehenden Sonne gegenüber Deutschland deutlich zurück. Im Jahr 2006 produzierte Japan mit diesem Energieträger rund 1,7 Mio. kW Elektrizität. Deutschland kam im gleichen Jahr auf circa 3,1 Mio. kW.

Nach Angaben der PV News stellte Japan im Jahr 2006 Photovoltaikkomponenten in der Größenordnung von 928 MW her. Deutschland als zweitplaziertes Erzeugerland kam auf 490 MW Leistung. Damit hatten Japan und Deutschland an der Weltproduktion von Solarzellen Anteile von 36,8% bzw. 19,4%, wobei die Kapazitäten in Deutschland deutlich stärker ausgebaut werden.

Aber auch die japanische Regierung will die Solarenergie forcieren, um ihren Klimaschutzbeitrag zu erhöhen. Bis 2030 soll die Zahl der Haushalte, die durch Photovoltaik versorgt werden, von gegenwärtig 400.000 auf 14 Mio. steigen. Konkrete Maßnahmen sollen noch 2008, im Jahr der G8-Präsidentschaft Japans, veröffentlicht werden. An einer Roadmap bis 2030 arbeitet gegenwärtig die New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO).

Bis 2005 hatte Japan ein Solardachprogramm, das jedoch 2005 beendet wurde. Danach kam die heimische Nachfrage nach Sonnenkollektoren praktisch zum Erliegen. Um den Haushalten wieder Anreize zu geben, Photovoltaikanlagen zu installieren, wird eine Senkung der Ausrüstungskosten an erster Stelle stehen. Bis 2030 sollen die Solarzellen eine deutlich höhere Energieeffizienz erreichen und sich die Erzeugungskosten von den gegenwärtig 46 Yen pro kW auf 7 Yen pro kW verringern.

Um dies zu erreichen, ist die Entwicklung von innovativen Technologien Teil des Programms: Dünnschicht-Zellen auf Silizium-, Kupfer-Indium- und organischer Basis, die den natürlichen Photosynthese-Prozess nachzuahmen versuchen, stehen im Entwicklungsfokus. Darüber hinaus wird mit weiteren Technologien geforscht, wie sphärischen oder auch mehrschichtigen Solarzellen.

Da die Aussichten für die Photovoltaikindustrie auch zukünftig weiter als gut eingeschätzt werden, gibt es mehrere japanische Unternehmen, die neu in die Branche einsteigen. So kündigten TDK Corp. und Taiyo Yuden an, dass sie unabhängig voneinander mit kostengünstigen Solarzellen in den Markt kommen wollen, die nicht auf Silizium-Basis funktionieren. Dabei setzen beide Unternehmen auf ihre Erfahrungen in der Herstellung optoelektronischer Komponenten und wollen ab 2010 mit Pigment-Solarzellen (dye-sensitized solar cells) Kunden gewinnen.

Honda Motor und Showa Shell sind dabei, die Entwicklung von Metallverbund-Solarzellen (metal compound cell) auszubauen, die auf den Rohstoffen Indium und Selen basieren. Im Frühjahr 2009 will Honda die Produktion von Solarzellen im Tochterunternehmen Honda Soltec am Laufen haben. Dieses Werk soll pro Jahr so viele PV-Module erzeugen, dass pro Jahr 9.000 Häuser ausgestattet werden können. Auf der gleichen Technologie basierend will Showa Shell in der Präfektur Miyazaki etwa 15 Mrd. Yen investieren, um eine neue Produktionsstätte zu bauen. Im ersten Halbjahr 2009 soll die Fertigung beginnen, die eine Vervierfachung der bisherigen Kapazität bedeutet.

Neu in die Photovoltaikbranche will beispielsweise auch Mitsubishi Chemical einsteigen. Das Unternehmen beabsichtigt, sich im Bereich der organischen Dünnschicht-Solarzellen zu etablieren und erwirbt dazu entsprechende Technologien. Mitsubishi Electric ist bereits einer der großen vier japanischen Hersteller von Sonnenkollektoren nach Sharp, Kyocera und Sanyo. Bis 2010 plant Mitsubishi Electric, die Herstellungskapazität von multikristallinen PV-Modulen auf 200 MW (2006: 150 MW) pro Jahr auszubauen.

Sharp, der größte Solarkomponentenhersteller weltweit, hat angekündigt, in seinem Werk in der Präfektur Nara die Produktionskapazität für Dünnschicht-Zellen bis Oktober 2008 um das etwa Zehnfache auf 160 MW zu erhöhen. Dazu werden 22 Mrd. Yen investiert. Zudem baut das Unternehmen in seinem integrierten optoelektronischen Park in Sakai ein Werk für circa 100 Mrd. Yen, das ebenfalls Dünnschicht-Solarzellen erzeugen soll und im Fiskaljahr 2009 in Betrieb genommen wird. Mit einer Produktionskapazität von 1.000 MW soll es nach Fertigstellung die größte Anlage weltweit werden.

Noch macht das Geschäft mit multikristallinen konventionellen Solarzellen den größten Teil von Sharps Photovoltaiksparte aus. Aber Dünnschicht-Zellen werden deutlich an Bedeutung gewinnen. Mit Kaneka ist ein weiterer Hersteller von Dünnschicht-Solarzellen dabei, die Erzeugung auszubauen. Bis 2010 soll die Produktionskapazität in der Präfektur Hyogo auf jährlich 130 MW verdoppelt werden. Dafür sind Investitionskosten von 12 Mrd. Yen eingeplant.

Für konventionelle Solarzellen, die auf Silizium basieren, stellt sich aufgrund der hohen weltweiten Nachfrage die Verfügbarkeit dieses Rohstoffs als immer schwieriger heraus. Der größte Hersteller von Siliziumwafern, Sumco Corp., wird daher seine Kapazitäten ausbauen. Bis 2009 entsteht eine neue Produktionsanlage äquivalent zu 300 MW Leistung. Bis 2011 plant das Unternehmen, insgesamt 40 Mrd. Yen zu investieren, um seine Fertigung auf eine Menge äquivalent zu 1 GW Kapazität zu expandieren.

Das Unternehmen NPC will bis Sommer 2009 seine Produktion von Ausrüstung, die zur Herstellung von Solarzellen benötigt werden, hochfahren. Dafür werden 3 Mrd. Yen für eine neue Fertigung direkt neben der bestehenden Betriebsstätte investiert. Auch andere Komponentenanbieter profitieren vom Ausbau der Photovoltaikbranche, wie beispielsweise die Hersteller von Glassubstraten, die für Sonnenkollektoren und für Flachbildschirmfernseher benötigt werden. Quelle: bfai Köln