Hintergrundinfos: KWD Market + Charts „Plumbing & Heating EUROPE 2007“

kwd-SHK, 11.9.2007. Seit etwa 1970 bemühen wir uns im Rahmen unserer Informationszentrale Kunststoffe um Marktzahlen und Markttrends im Bereich des damals beginnenden Siegeszuges der Kunststoffe im Bauwesen. Das waren zunächst Folien und Dämmstoffe und kurz darauf auch Fenster und Rohre bevor sehr viel später auch Fittings und andere Gebiete dazu kamen.
Im Bereich „Plumbing & Heating“ begann alles mit der Fußbodenheizung, die es in den ersten Jahren praktisch nur in Österreich, der Schweiz und Deutschland gab, ehe sich die Fußbodenheizung dann über Italien und Skandinavien relativ schnell in ganz Europa ausbreitete. Statistische Unterlagen gab (und gibt) es nicht, weder in diesem Segment noch in den Bereichen Radiatoranbindung und Sanitärsystemen. So waren wir von Anfang an bei unseren Bemühungen auf andere Quellen angewiesen.
Diese fanden wir in den Rohrherstellern, angefangen von PP-R Rohrherstellern wie Multibeton und Aquatherm, über PB Rohrhersteller wie Thyssen Polymer (heute Gabo), über PE-Xa Rohrhersteller wie Wirsbo(heute Uponor) und Rehau, über PE-Xc Rohrhersteller wie Hewing, PE-RT Rohrhersteller wie HPG und Verbundrohrhersteller wie Unicor (heute Uponor)…. wir haben hier immer nur die bedeutendsten Rohrextrudeure der Anfangszeit aufgezählt.

Die über diesen langen Zeitraum aufgebauten guten Kontakte zu Rohrherstellern ermöglichen es uns auch heute noch in Kenntnis der genauen Produktions- bzw. Verkaufsmengen bei Kunststoff- und Verbundrohren eine recht realistische Markteinschätzung vorzunehmen. Natürlich schreitet auch hier die Globalisierung weiter fort. Wenn es jetzt zum Beispiel schon in Russland ein oder gar mehrere Verbundrohranlagenbauer gibt, die ihre Anlagen nur an russische Rohrhersteller ausliefern, die wiederum keinen Exportkontakt zu anderen Märkten haben, fängt es auch hier an zumindest global gesehen unübersichtlich zu werden.
Als Korrektiv zu den Mengen der Rohrhersteller gibt es natürlich die Liefermengen der Rohstoffhersteller wie früher BASF und Hüls sowie heute hauptsächlich Basell, Borealis und DOW sowie die Compound-Hersteller wie Silon und Solvay Padanaplast, um nur einige zu nennen. Auch die Absatzmengen von Aluminium-Folienherstellern bieten zumindest im Verbundrohrbereich weitere Anhalts-punkte zu Marktentwicklungen. Nicht zu vergessen sind natürlich die zunehmende Anzahl von Fittingherstellern (und den Herstellern entsprechender Press- und Verbindungsgeräte), die sich mit Neuent-wicklungen und Weiterentwicklungen speziell an den Bedürfnissen der Systemanbieter im P&H-Bereich orientieren. Hinzu kommen noch die Rohrmaschinenhersteller und Anbieter von Rohrbearbeitungsanlagen, die ebenfalls erstaunlich differenzierte Einblicke in diesen Markt haben.

Natürlich muss man bei all diesen „gesammelten Daten“ auch im Markt „mitdenken“. So wuchs z.B. in den letzten Jahren die Menge der Rohrmeter in der Fußbodenheizung gewaltig, während die Absatzmengen der Rohstoff-Lieferanten stagnierten bzw. sogar kleiner wurden. Die durchschnittlichen Rohrdurchmesser der Heizrohre sanken nämlich kontinuierlich von d=22 mm und größer auf derzeit d=10 bis14 mm. Die Rohrwandstärke reduzierte sich ebenfalls.
Hinzu kommen Veränderungen in der Systemtechnik (Trend zu Trockensystemen), Gesetzesvorgaben, neue Energiearten usw.
Um weiterhin einen auch nur halbwegs realistischen Marktüberblick immer wieder neu zu erhalten, mussten wir zunehmend die Erfahrungen der Systemanbieter und des Großhandels und nicht zuletzt des installierenden Handwerks mit berücksichtigen.
Das ist insbesondere im Bereich der ebenfalls berücksichtigten Metallrohre (Kupfer, C-Stahl, Edelstahl) erforderlich. Insbesondere bei Kupferrohren wird der Marktüberblick immer schwieriger, weil es sich hier (bisher jedenfalls) um einen Halbzeugbereich handelt, der in Tonnen rechnet und durch eine andere Order-Art praktisch erst im 3-Jahresvergleich seine Jahresmengen einschätzt. Da in der recht genauen Mengen-Statistik der Kupferindustrie bei Kupferrohren aber auch Gasrohre und vor allem der ganze Industriebereich mit enthalten ist, gibt es für den Bereich der Heiz- und Sanitärrohre nur Schätzungen und auch die Aufteilung in Heizung und Sanitär muß letztlich geschätzt werden.
Wir haben deshalb nach eingehenden Diskussionen vor allem mit dem Großhandel in einigen Ländern die Kupferrohr-Gesamtmenge auch rückwirkend korrigiert. Eigentlich wäre es – bei relativ genauer Kenntnis der Kunststoffrohrmenge- ganz einfach, die Metallrohrmenge einzuschätzen… wenn, ja wenn man das Volumen des gesamten Marktes in den einzelnen Ländern kennen würde. Und genau hier haben wir weitere „unbekannte Größen“. Wir wissen lediglich, dass wir so etwa 1970 noch mit einer Aufteilung von ca. 80% Neubau und 20% Renovierung rechneten. Heute ist dieses Verhältnis fast umgekehrt.
Wir möchten bei soviel Annahmen auch vor einer PR-mäßig sicher verlockenden aber letztlich rein spekulativen „Ausschlachtung“ der Mengenentwicklung „Metall ./. Kunststoff“ oder ähnlich warnen. Es spricht zwar alles dafür, dass sich zur Zeit das Mengenverhältnis zugunsten einer Mehrheit von Kunststoff- und Verbundrohren gedreht hat und dieser Trend auch anhält.
Durch das „Abspecken“ der Wanddicken bei Kupfer- und C-Stahlrohren sowie der Entwicklung neuer, extrem materialsparender Kupfer-Kunststoff-Rohre mit kleinen Durchmessern, wie man sie bisher nur aus dem Kühldeckenbereich kannte, wird naturgemäß die „Umrechnung“ von Kupfer-Tonnage in Rohrmengen nahezu unmöglich werden. Doch das nur als Perspektive.

In den einzelnen Ländermärkten sind zudem noch nicht einmal die Neubaugrößen zuverlässig bekannt, wie die gewaltigen Sprünge (rückwirkend) in den EUROCONSTRUCT-Zahlen zeigen. Den dahinter stehenden durchaus renommierten Instituten muss man zu Gute halten, dass es auch hier unberechenbare Einflussgrößen gibt wie z.B. die Abgrenzung zwischen Neubauten, Totalsanierungen und Teil-Neubauten und andere Schwierigkeiten mehr.
Bei der hier in 10. Auflage vorliegenden KWD Markt- und Chartstudie möchten wir noch auf einen weiteren schwer zu erfassenden Bereich hinweisen, den C-Stahl-Rohrbereich. Stahlrohre waren im Sanitärbereich in einigen Ländern schon nahezu am Verschwinden, im Heizrohrbereich hielten sie sich in meist konservativen Regionen dagegen noch gut wahrnehmbar. Bedingt durch die drastischen Preiserhöhungen für Kupfer (in einem Monat lag der Kupferpreis teilweise sogar über Edelstahl!), gab es 2006 ein richtiggehende Renaissance im C-Stahlbereich.
Wir haben die uns durchweg vom Großhandel und einigen Installateuren genannten geschätzten Zuwächse bei C-Stahlrohren in die Studie eingearbeitet. Wir sind uns aber relativ sicher, dass die uns genannten Schätzzahlen durchweg zu hoch sind (wie das bei plötzlichen Zuwächsen so ist!), wollten sie aber nicht einfach „glatt bügeln“. Eine sorgfältige Überprüfung kann daher erst in der nächsten Auflage erfolgen.
Eine ähnlich geartete Überschätzung könnte auch bei den Verbundrohrmengen vor allem in den osteuropäischen Ländern vorliegen. Alle reden dort von Verbundrohren, man nimmt aber dann doch oft noch die bisher vertrauten Materialarten, wenn man die Preise für Fittings, Pressgeräte usw. erfährt bzw. das Verleg-Know-how doch noch etwas „wackelig“ ist.

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