Herotec zur Situation allgemein und am Rohstoffmarkt

Knappe Güter und gute Alternativen: Im Gespräch mit Thomas Heuser

Jahrelang konnten Hersteller, Händler sowie Verarbeiter aus der Bau- und SHK-Branche im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Vollen schöpfen. Es herrschte stets ein Überfluss an Rohstoffen, Waren und auch Dienstleistungen, der dem Einkäufer fast immer zum Vorteil gereichte. Wie sich diese Situation aktuell darstellt, was zukünftig noch passieren kann und wie gute Alternativen aussehen können, besprachen wir mit Thomas Heuser. Er ist geschäftsführender Inhaber der herotec Flächenheizung GmbH aus dem westfälischen Ahlen. Sein Ziel gilt der Gewinnung weiterer Marktanteile sowie der strategischen Neuausrichtung der Unternehmensaktivitäten im europäischen Raum.

Thomas Heuser, GF herotec Ahlen
Thomas Heuser, Geschäftsführer von herotec in Ahlen

Frage: Herr Heuser, wie haben Sie das bisherige Jahr 2021 in geschäftlicher Hinsicht erlebt?

Thomas Heuser: Durchaus positiv – wir sind in der Absatzsituation, unserem neu gestalteten Außenauftritt sowie der Neuausrichtung unseres Produktportfolios ordentlich vorangekommen. Daher blicken wir gut gerüstet in die Zukunft.

Frage: Dieser komfortable Zustand wird ja aktuell von immer neuen Nachrichten erschüttert: Nachdem Kunststoffe, Holz, Stahl und Kupfer in den letzten Wochen starke Preisanstiege zu verzeichnen hatten, gehören auch Dämmstoffe auf EPS-Basis dazu.

Das ist korrekt und betrifft auch die Lieferkapazitäten bzw. vorhandenen Rohstoffressourcen. Wir Hersteller von Flächenheizungssystemen leiden da im besonderen Maße, haben einen Teil der Not aber auch früher selbst verursacht.

Frage: Erläutern Sie das bitte unseren Lesern?

Sehr gern: Nachdem in unserem Marktsegment ja – trotz guter Konjunkturlage –kaum Preisdisziplin vorhanden war, gab es seit Jahren kaum noch erträgliche Margen. Speziell EPS-Produkte, also die Wärme- und Trittschalldämmungen, wurden jahrelang verramscht und häufig auch von dubiosen Anbietern in minderwertiger Güte verkauft. Wir haben da als BVF-Mitglied natürlich nie mitgespielt und sind guter Dinge, das sich das Szenario aufgrund der Material-Verknappung ändern wird. herotec hat außerdem in der Logistik gezielt vorgesorgt, denn wir sehen uns gegenüber den treuen Marktpartnern in einer gewissen Lieferverpflichtung.

Frage: Und wie sehen Ihre Alternativen aus?

Wir haben aktuell zwei Wege eingeschlagen, die ich kurz darstellen möchte:

  • Mit Jahresbeginn haben wir mit dem Kauf des Herstellers Electrical Heating Concepts (EHC) unser Produktportfolio erheblich erweitert. Der Betrieb aus Oberhausen produziert elektrische Flächen- und Begleitheizungen für diverse Anwendungsfälle. So treiben wir die Gebäudebeheizung mit Elektroenergie weiter voran.
  • Mit tempusROCK bieten wir seit Jahren eine echte mineralische Alternative zu den EPS-Prudukten. Es gibt eine Klett-Variante tempusFLAT KLETT sowie mit tempusROCK das weltweit erste Trockenbausystem auf Mineralwoll-Basis. In der „DS“-Variante werden zudem dünnschichtige Sanierungslösungen ermöglicht.

Insbesondere mit den eigenen Produkten handelt es sich um echte Innovationen und Qualität aus Westfalen; also „Made in Germany“.

Frage: Denken Sie, der Markt schätzt Ihre Alternativen auch so positiv ein wie Sie?

Das glauben wir ganz sicher, denn es gibt durchaus Anzeichen für einen Wandel der Systeme bei den Betreibern. Einerseits die Tendenz zur Elektrobeheizung mit regenerativen Stromquellen, aber auch genauso zur Nachhaltigkeit in der Auswahl der Bauprodukte. Das zeigt uns aktuell auch die Auszeichnung mit dem Green Product Award 2021, die wir mit dem Konzept zur „schlanken Wärme“ für den Einsatz von tempusFLAT KLETT im Neubau und Gebäudebestand bekommen haben.

Die Merkmale Innovation, Nachhaltigkeit und Design stehen im Mittelpunkt dieses renommierten internationalen Awards.

Frage: Lassen Sie uns noch einen Blick in die sprichwörtliche Glaskugel werfen. Wie wird es der Branche in den kommenden zwei Jahren Ihrer Meinung nach ergehen?

Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind nach heutigem Stand grundsätzlich positiv zu bewerten. Die energetische Förderpolitik ist derzeit vorbildlich und die Verbraucher beschäftigen sich mit den aktuellen Energie- sowie Umweltthemen – das hilft der Branche enorm. Trotzdem betrachte ich zwei Dinge mit Sorge: 1.) Der Fachkräftemangel im SHK-Handwerk macht uns zu schaffen – und das leider nicht erst seit gestern. Hier gilt es, aktiv gegenzusteuern, auszubilden und montagefreundliche Lösungen zu nutzen, die die Fachbetriebe mehr ent- als belasten. herotec bietet dabei vielfältige Unterstützung. 2.) Werden uns die weltweit steigenden Rohstoffpreise genauso treffen wie die Frachtraten. Diese sind im innereuropäischen Warenverkehr binnen eines Jahres um 20 bis 25 % nach oben gegangen und nehmen in der internationalen Logistik bereits ungeahnte Dimensionen an. Das alles kann in der Kombination mit den pandemiebedingten Problemen zur Folge haben, dass es zu Versorgungsengpässen kommt, die wir heute noch nicht absehen können.

Wir bedanken uns für das informative Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg, Herr Heuser.