Euroconstruct-Ergebinsse Juli 2009: Europäischer Wohnungsbau im Sinkflug

Der Wohnungsbau war in den Jahren 2003 bis 2006 das Zugpferd der europäischen Bauwirtschaft. Der Anstieg der Bauleistungen in diesem Teilsegment lag deutlich über den Wachstumsraten für die gesamte Baubranche. Insbesondere der Neubau von Wohnungen wurde deutlich ausgeweitet. In den Ländern der Euroconstruct-Gruppe1 wurden 2006 für mehr als 2,7 Mill. Wohnungen Baugenehmigungen erteilt. + + + Während in Deutschland der Wohnungsbau in den letzten Jahren trotz Wirtschaftsaufschwung schwächelte, waren vor allem in Spanien und Irland deutliche Anzeichen für eine Überhitzung des Wohnungsbaus zu beobachten.

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[inspic=341,left,fullscreen,350]Die durch umfangreiche Zuwanderungen kräftig erhöhte Bevölkerung musste mit Wohnungen versorgt werden. Und lange Zeit stimulierten die zunächst rosigen Beschäftigungsaussichten und die steigenden Einkommen die Nachfrage nach Wohnungen. Hinzu kamen rasant steigende Immobilienpreise, die Wohnungen zum begehrten Anlageobjekt – und bald auch Spekulationsobjekt – machten. Günstige Finanzierungskonditionen sowie eine freigiebige Kreditvergabe von Seiten der Banken, die meist ebenfalls auf einen weiteren Wertzuwachs vertrauten, verstärkte die Wohnungsnachfrage weiter. So wurden 2006 in Spanien mit rund 750 000 Einheiten fast ein Drittel der in Westeuropa neu errichteten Wohnungen fertig gestellt. + + + [inspic=340,right,fullscreen,350]Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 geht es mit dem europäischen Wohnungsbau bergab. Die Finanz- und Wirtschaftskrise wirkt sich auch auf dem Markt für Wohnimmobilien überaus negativ aus: Die Banken sind in ihrer Kreditvergabe nun höchst restriktiv, was bei gleichzeitig fallenden Preisen für Wohnimmobilien in den meisten Ländern zu einer deutlichen Schrumpfung der Bauaktivitaten führt. Speziell in den Ländern, in denen im Boom am Bedarf >>vorbei<< gebaut wurde, ist die Situation besonders schlimm, da zahlreiche unverkaufte Objekte auf dem Markt lasten. Neben dem Neubau, der in diesem Jahr um rund 20% nachgeben durfte, ist auch der Bereich >>Sanierung und Modernisierung<< von den negativen Entwicklungen betroffen. 2009 werden die Bestandsmaßnahmen an Wohngebäuden voraussichtlich um rund 3 ½ % zurückgehen. Fur 2010 wird noch ein leichtes Minus erwartet. Der Wohnungsbau insgesamt durfte sich frühestens ab 2011 etwas erholen.

Quelle: ifo Schnelldienst 14/2009,Erich Gluch und Ludwig Dorffmeister