Die hohe Kunst der Anzeigen: Hauptsache man fällt auf, gelegentlich auch aus dem Rahmen

Mit großem Interesse blättern wir die jeweils gerade mit der Post zugestellten einschlägigen Fachzeitschriften durch. Eine prächtige Vielfalt, welche sich die SHK-Branche in Deutschland noch immer leistet, naturgemäß nicht unbedingt zur Freude der unter Schwindsucht leidenden Anzeigenetats der Industrie. Für die Werbestrategen gilt es vor allem, sich „vom Rest der Welt“ abzuheben, also Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das führt beim aufmerksamen „Beworbenen“ dazu, dass er sich manchmal die Anzeigen mit größerem Vergnügen ansieht als den mühsam erarbeiteten fundierten Redaktionsteil. Welche Botschaft sich dabei allerdings hinter einem gehobenen Hundebein neben einem Edelstahlfitting verbirgt (Sie erinnern sich sicher noch!), bleibt auch nach längerem Nachdenken unklar. [inspic=131,right,,250]Vermutlich handelte es sich dabei um eine besondere Variante von Abrechnung unter zwei Konkurrenten. Schade um die Moneten! + + + Wenn der knochenbrave Fittinghersteller COMAP für sein Verpressungs-Sicherheitssystem „Sudo Press“ jetzt mit einem sichtbar abfallenden Ring „Visu-Control“ unter dem Motto „Die Macht der Ringe!“ wirbt, ist das schon eine beachtliche Verneigung vor dem Zeitgeist. + + + Die hübsche junge Frau, die angesichts einer hässlichen Laufmasche beklagt: „Wäre doch nur alles SANCO !“ dürfte es schon nach wenigen Schritten bedauern, einen Strumpf aus Kupfer zu tragen. Immerhin akzeptiert man dabei durchaus den Wunsch nach beständiger Qualität. + + + So richtig „lustig“ wird es aber, wenn man sich Badewannenwerbung von Deutschlands Nr 1 in diesem Metier KALDEWEI ansieht (siehe Abbildung). Im darunter stehenden Text gibt sich Kaldwei besorgt: „Ganz aktuell werden Endverbraucher und Sanitärbranche durch Fälle verunsichert, bei denen es in bestimmten Badewannen aus dem Sanitärkunststoff Quaryl zu Unfällen infolge von Materialbrüchen gekommen ist. Das kann bei einer Badewanne aus Kaldewei Stahl-Email 3,5 mm nicht passieren.“ Na bitte! Der abgebildete kaputte Styroporbecher (der vermutlich symbolisch die Quaryl-Wanne darstellen soll, ist aber ein Plagiat der früheren Sanha Kaimer Anzeigen, die Monate-lang mit Plastikbechern je nach Beschauer pro Kupfer- oder contra Plastik-Rohre warben. Eigentlich ist es einer Firma Kaldewei unwürdig auf Plagiate zurück zu greifen. Wir erinnern uns da gern an eine wesentlich intelligentere Anzeigenschlacht zwischen Kaldwei (Stahlwanne) und Röhm (Plexigalswanne). Diese gipfelte in einer Anzeige von Kaldewei, auf der eine Badende eine Zigarette auf dem (Stahl-) Badewannenrand ausdrückte mit (in etwa) dem Slogan „So etwas kann man nicht in jeder Badewanne machen“. Röhm, konterte damals prompt mit einer ganzseitigen Anzeige im Spiegel wo eine Badende spitz fragte: „Möchten Sie in einem Aschenbecher baden?“ Das waren noch Zeiten, wo man mit Intelligenz und Witz auffiel….nebenbei nützte diese Art der Auseinandersetzung beiden Firmen, die sich ja damit von den anderen „grauen Mäusen“ deutlich abhoben. Winfried.Hamich@kwd-online.de.