BVF feiert 40-jähriges Jubiläum in Berlin – Rückblick und Ausblick

Der Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen e.V. (BVF) feierte sein 40-jähriges Jubiläum am 24 November 2011 in Berlin mit einer Vortragsveranstaltung und einem geselligen Beisammensein am Abend.

KWD-SHK, 02.12.2011. Mehr als 60 Herren und einige Damen folgten der Einladung des BVF in das Hotel Esplanade nach Berlin. Herr Arno Kloep von der Querschiesser Unternehmensberatung in Xanten führte durchs Programm.

Nachdem man dieses Jahr einstimmig beschlossen hatte, die erfolgreiche Arbeit des BVF weiterzuführen, sollten die vergangenen 40 Jahre gebührend gefeiert werden. In der Vortragsveranstaltung gab es dazu naturgemäß einige Rückblicke. So schaute Herr Ulrich Stahl, heutiger Vorstandsvorsitzender des BVF, auf verschiedene Gründungsmitglieder sowie auf die Reihe seiner Vorgänger zurück.

Normung und Zertifizierung ist ein enorm wichtiger Punkt in der Verbandsarbeit. Hier blickte Herr Prof. Dr.-Ing. Günter Zöllner vom WTP Berlin auf die vergangenen 30 Jahre zurück. In eindrucksvoller Weise schilderte er, wie die Rahmenbedingungen geschaffen, Versuchsaufbauten entwickelt und verschiedene Gleichungen aufgestellt wurden. Wenn sich auch nicht jedem die begeistert vorgetragenen physikalischen Erläuterungen und Formeln erschlossen haben, so ist doch jedem klar geworden, wie viel Arbeit und gedankliche Meisterleistung in den heute vorliegenden Kennwerten, Basiskurven und Gleichungen stecken. Diese dienen heute als selbstverständliche Grundlage für Normungen und Zertifizierungen.

Die Anlagenplanung von Flächenheizungen unter sich wandelnden Randbedingungen hat Herr Dr. Ing.habil. Joachim Seifert von der TU Dresden betrachtet. Dabei ging es vor allem um die wärmephysiologische und energetische Sicht im Kontext zur neuen DIN V 18599. Bei Flächenheizungsplanungen müssen Fensterflächen, Wandausführungen, etc. in der Auswirkung beachtet und bei Kombination von Flächenheizung und Lüftungsanlage die Systeme sorgfältig aufeinander abgestimmt werden. „Das klingt so selbstverständlich“, meint Dr. Seifert, „und wird doch so oft nicht genug beachtet.“ Das Ergebnis neuer numerischer Untersuchungen zur thermischen Behaglichkeit (Einflüsse des Fensterflächenanteils, Außenluftdurchlasses, Heizsystems und der Flächenheizungsanordnung) wurde in sehr übersichtlichen Schaubildern gezeigt und zwar sowohl die Auswirkung in den Raum hinein als auch in den verschiedenen Höhen. Als Fazit formulierte Herr Dr. Seifert u.a.: „Bauteilintegrierte Heizflächen ermöglichen besonders effizient die Beheizung und Kühlung von Gebäuden.“

Herr Ministerialrat Peter Rathert überbrachte Grußworte aus dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und gab einen Ausblick auf die EnEV2012. Nach einem kurzen Einblick in seine Arbeit sowie einer Erläuterung der politischen Aspekte bei der Erstellung der EnEV, erschreckte er die versammelte Mannschaft mit der Feststellung:
„Energetisch autarke Häuser brauchen in Zukunft keine wassergeführten Flächenheizungen mehr.“ Begründet wurde es von Herrn Rathert damit, dass in Zukunft über die Gebäudeaußenflächen mit Hilfe von Photovoltaik Strom gewonnen wird und dieser dann direkt zum Heizen eingesetzt werden soll. Es würde keinen Sinn machen, so der Ministerialrat, den Strom wieder in heißes Wasser umzuwandeln und dann zum Heizen zu verwenden. Diese etwas provokant vorgebrachte Äußerung führte in der Pause und auch später noch zu regen Diskussionen. Sicherlich muss man bei der Betrachtung von Zukunftsszenarien auch überlegen, welche zurzeit selbstverständlichen Systeme vielleicht nicht mehr passen könnten. Diesen Punkt hat Herr Rathert klar gemacht. Allerdings, und das wurde im weiteren Verlauf der Veranstaltung immer wieder deutlich, sind energetisch autarke Häuser zwar in der Überlegung. Es gibt aber noch keinerlei Möglichkeit der Umsetzung.

Auf dem Weg zum Nearly Zero Energy Building – Perspektiven für die Flächenheizung/Flächenkühlung im Niedrigstenergiehaus, das war das Thema von Frau Dipl.-Ing. Sara Kunkel vom Bundesinstitut für Bauwesen, Stadt- und Raumordnung (BBSR). Das Niedrigst-energiehaus wurde von der europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD) vorgegeben. Die EU-Mitgliedsstaaten verpflichten sich darin, dass bis 31.12.2020 alle neuen Gebäude Niedrigstenergiehäuser sind. Bereits in 2012 sind die Vorgaben der EPBD in nationales Recht umzusetzen. Frau Kunkel präsentierte dazu den Fahrplan der Bundesregierung und zeigte ein in Berlin erstelltes Niedrigstenergie-Musterhaus, für das zurzeit eine „Testfamilie“ gecastet wird. Rückwirkend betrachtet kann man feststellen, so eine Untersuchung des Fraunhofer Instituts, dass es etwa 10-15 Jahre dauert, bis aus einem Modellbau Realität wird. Sie musste aber auch eingestehen, dass zurzeit verschiedene Aspekte, wie z.B. eine durch jedermann benutzbare Regelungstechnik, noch nicht ausgereift bzw. gar nicht auf dem Markt vorhanden sind.

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat zu dem Thema eine Bürgerbroschüre „Wege zum Effizienzhaus-Plus“ entwickelt, die zum Download im Internet bereit steht. Sie ist für private Bauherren gedacht und wurde vom Fraunhofer IBP verfasst. Die Broschüre erläutert die wesentlichen Bausteine dieser zukunftsweisenden Bauweise und gibt Tipps für die Planung.

http://www.ibp.fraunhofer.de/Images/Effizienzhaus-Plus%20-%20Barrierefrei_tcm45-97341.pdf.

Wieviel Heizung braucht das Niedrigstenergiehaus? Das war das Thema der Podiumsdiskussion mit den Referenten. Laut Wärmeberechnung betrachtet, so führten Herr Seifert und Frau Kunkel aus, benötigen Niedrigstenergiehäuser keine Flächenheizungen mehr. Die wenige, dann noch erforderliche, Wärme kann über die dann sowieso vorgeschriebene zentrale Wohnraumbelüftung zugeführt werden. Vorhandene Modellhäuser zeigen aber, dass zum Erreichen der thermischen Behaglichkeit Flächenheizungen nötig sind. So wurde z.B. eines der Modellhäuser nachträglich mit einer Flächenheizung ausgestattet. Herr Dr. Konzelmann fasste es dann auch im Fazit sehr treffend zusammen:

„Das Niedrigstenergiehaus braucht keine Flächenheizung mehr, der Nutzer aber schon!“.

Die Tagesordnungspunkte für den Abend lauteten dann: Sektempfang und anschließen gemeinsames Abendessen im Hotel. Schlusspunkt: Ausklingen der Veranstaltung an der Bar.

Es war eine sehr gelungene Veranstaltung mit teilweise fast familiärem Charakter, aber auch viele neue Kontakte wurden geknüpft. Sicher wird man auch in Zukunft genauso erfolgreich für das Thema Flächenheizungen und Flächenkühlungen arbeiten.

Ein Prosit auf die nächsten 40 Jahre!

Kontakt: Redaktion KWD, Dipl.-Ing. Jutta Hix, hix@kwd-online.de, www.kwd-shk.de.

Diese Seite empfehlen:
  • Digg
  • del.icio.us
  • Netvouz
  • DZone
  • ThisNext
  • MisterWong
  • BlinkList
  • Reddit
  • Slashdot
  • StumbleUpon
  • Technorati
  • Facebook
  • LinkArena
  • LinkedIn
  • MisterWong.DE
  • MSN Reporter
  • Orkut
  • Twitter
  • Webnews.de
  • Yahoo! Buzz